Büro für Coaching und Organisationsberatung

Coaching und Vertraulichkeit

Auszüge aus den Ergebnissen Coaching-Umfrage Deutschland 2014. Zum 13. Mal jährte sich die Durchführung der Coaching-Umfrage Deutschland (www.coaching-umfrage.de). Mittlerweile haben fast 4.900 Coaches an der Befragung teilgenommen (2014 waren es 399 Personen), so dass wir heute eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, wer in Deutschland als Coach unterwegs ist.

Der statistische Coach ist 52 Jahre alt, hatte 17 Jahre Berufserfahrung bevor er als Coach tätig wurde. Er arbeitet seit 11,5 Jahren als Coach, verdient aber nur zu 30% sein Geld mit dieser Tätigkeit. Zusammenfassend zeigen uns die Daten des statistischen Coaches in den letzten Jahren ein Tätigkeitsfeld, in welchem sich häufig berufserfahrene Menschen, oft mit vorheriger Führungserfahrung und Durchhaltevermögen am Markt bewegen.

Die Umfragewerte

Neben den reinen Marktdaten wurde in 2014 in Zusammenarbeit mit dem HAM-Coaching-Kongress die Frage nach dem Umgang mit der Vertraulichkeit im Coaching gestellt. Eigentlich gehört es zum Common Sense der Szene, dass Coachings vertraulich ablaufen und alles, was im Coaching berichtet wird, streng vertraulich behandelt wird. Dass Vertraulichkeit für Coaches selbstverständlich ist, zeigen auch die Daten. Danach gaben 92 Prozent der Befragten an, das Thema Vertraulichkeit zwischen Coach und Coaching-Klient als sehr wichtiges oder wichtiges Thema anzusehen. Konsequenter Weise stimmen die weitaus meisten Coaches auch folgenden Aussagen als Zutreffend zu:

• Der Coach spricht über die Inhalte des Coachings mit keiner dritten Partei
• Der Coach darf nur nach Zustimmung des Coaching-Klienten und in dessen Anwesenheit über die Ergebnisse des Coachings mit Blick auf die vereinbarten Coaching-Ziele mit dritten sprechen
• Der Coach darf nur nach Zustimmung des Coaching-Klienten und in dessen Anwesenheit über die Themen und Inhalte des Coachings mit Blick auf die vereinbarten Coaching-Ziele mit dritten sprechen
• Der Coach darf über die Themen und Inhalte des Coachings mit seinem Supervisior sprechen, auch wenn dies nicht explizit durch den Coaching-Klienten genehmigt wurde

Vertrauen – die Grundlage einer Zusammenarbeit

Offensichtlich sehen viele Coaches das Thema Vertraulichkeit also als einen zentralen Punkt in Ihrer Tätigkeit an, der sogar den Bereich der eigenen Supervision und damit der eigenen Qualitätskontrolle mit einschließt. Gibt es also zu diesem Thema nichts weiter zu sagen? Nicht ganz! Wie bedeutsam das Thema Vertraulichkeit ist, stellt man fest wenn man sieht, dass gut die Hälfte der Coaches angaben, dass in ihren Coaching Klient und Auftraggeber nie oder meistens nicht identisch sind.

Häufig gibt es also eine dritte Partei im Coaching, die natürlich ebenfalls Interessen hat. Konsequenter Weise findet durchschnittlich in 53 Prozent der Fälle ein Auftragsklärungsgespräch zwischen mindestens drei Personen statt: Coaching-Klient, Coach und Auftraggeber. Für viele Coaches ist dies sogar der Regelfall. In rund 10 Prozent der Fälle findet die Auftragsklärung sogar nur zwischen Coach und Auftraggeber statt, ohne dass der eigentliche Coaching-Klient überhaupt anwesend ist.

Vereinbarungen

Damit ist der Auftraggeber auf jeden Fall eine Partei, mit der es explizite Vereinbarungen über die Vertraulichkeit geben müsste. Darüber hinaus gibt in vielen dieser Coachings am Ende auch noch ein verbales Abschluss-Feedback zum Coaching. Lediglich in 31 Prozent der Fälle erhält dabei der Auftraggeber kein Abschluss-Feedback. In durchschnittlich 47 Prozent der Fälle ist zwar der Coaching-Klient ebenfalls anwesend, dennoch spricht man auch hier explizit über Themen des Coachings.

In 21 Prozent der Fälle ist gar der Coaching-Klient gar beim Abschluss-Feedback zum Coaching nicht anwesend. Neben dem mündlichen Abschluss-Feedback wird in 14 Prozent der Fälle ein schriftlicher Abschlussbericht verfasst, der an den Auftraggeber oder das Personalwesen geht. In all diesen Fällen ist Vertraulichkeit also sehr wohl ein Thema, welches aktiv gemanagt werden muss, damit es nicht zu falschen Erwartungen, Missverständnissen oder Misstrauen kommt.

Deutlich wird in all diesen Daten vor allem eines: Beim Coaching geht es nicht nur um das vertrauliche Gespräch zwischen dem Coach und seinem Coaching-Klienten. Es gibt auch immer wieder Berührungspunkte mit dritten Parteien, die nur zum Teil in der Kontrolle des Coaching-Klienten liegen und teilweise sogar ganz ohne seinen Einfluss stattfinden. Bei so viel Fragen in Bezug auf die strikte Vertraulichkeit wäre zu erwarten, dass es zu diesem heiklen Thema klare Regelungen in den Unternehmen gibt.

Allerdings ergeben die Daten der Coaching-Umfrage, dass Coaches vom Unternehmen eher selten auf geltende Ethikrichtlinien oder –grundsätze in Bezug auf Coaching angesprochen wurden. Das Thema Vertraulichkeit wird im Augenblick also eher den Coaches selbst überlassen und wird nur selten bis gar nicht von Unternehmen zum Thema gemacht. Heute liegt es also noch vornehmlich an der Professionalität des Coaches wie er oder sie mit diesem Thema umgeht und welchen Richtlinien man sich verpflichtet fühlt. Daher spielt das Thema Ethik und besonders auch Vertraulichkeit in der BCO Ausbildung zum Coach eine wichtige Rolle, da es letztendlich auf den Coach und sein Selbstverständnis ankommt, wie er mit dem der Thema Vertraulichkeit umgeht.

Hausaufgaben im Coaching

Das Wichtigste im Coaching geschieht nicht im Coaching, sondern zwischen den Coaching-Sitzungen. In der Coaching-Sitzung selbst wird ein Raum

weiterlesen
Evaluation von Coaching-Leistungen

Das zu einem professionellen Coaching auch eine gründliche Evaluation gehört, ist heute Common Sense unter den deutschen Coaching-Verbänden. So

weiterlesen
TIMELINE

Die Timeline ist eine konkrete Intervention im

weiterlesen